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Die 60plus-Tour 2018 nach Göppingen

Eisenbahn, Staufer und Wasser

Dritter Termin der 60-plus-Touren von VVS und Stuttgarter Wochenblatt. Zu Gast in Göppingen. Viel Information zur Industriegeschichte. Und eine Führung, die Lust macht, noch mehr über die Stadt an der Fils zu erfahren.

Märklin – den Namen kennt man weit und breit. Fast jeder hat als Kind mit Eisenbahnen des Göppinger Traditionsunternehmens gespielt. Eine Stadt mit viel Industriegeschichte, wie die Teilnehmer der dritten 60plus-Tour des VVS und des Stuttgarter Wochenblatts erleben konnten.

60plus-Tour nach Göppingen

Doch der Reihe nach. Vom Stuttgarter Hauptbahnhof – dem Startpunkt der Tour – ist es nur ein Katzensprung nach Göppingen. Wer wie die Teilnehmer mit einem VVS-Netzticket unterwegs ist, reist da besonders angenehm. Der Spaziergang vom Bahnhof in die Stuttgarter Straße, dort hat das Unternehmen den Stammsitz, vermittelte einen ersten Eindruck der Stadt.

Vor dem Märklin-Werkstor erwartete Peter Staudenmayer die Ausflügler. Ein Mann, der weiß, wovon er spricht. „Ich habe 47 Jahre in der Firma gearbeitet“, sagt er, „jetzt bin ich im Unruhestand als Betriebsführer aktiv.“ Staudenmayer kennt bei Märklin jeden Quadratzentimeter, das wurde bei dem zweistündigen Rundgang deutlich.

Wer weiß denn zum Beispiel, dass Märklin im Jahre 1859 eigentlich mit Puppenküchen seine Firmengeschichte begann. Erst 1891 stellten die Söhne des Firmengründers eine Modellbahn mit einer Schienenanlage auf einer Messe vor. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte über Jahrzehnte folgte, die aber 2009 beinahe ein abruptes Ende genommen hätte.

Märklin rutschte in die Insolvenz. Rettung kam durch den Einstieg des Spielwarenherstellers Simba Dickie. „Heute geht es uns wieder ganz gut“, sagt Staudenmayer. In Göppingen und Györ (Ungarn) produzieren insgesamt 1100 Menschen Modelleisenbahnen. Qualitativ sehr hochwertig, wenn auch nicht preiswert. Staudenmayer machte eindrücklich klar, welcher Aufwand nötig ist, um aus millimetergenau gefertigten Teilen eine Lokomotive wie das legendäre Modell „Krokodil“ zu fertigen.

Im nächsten Jahr steht eine wichtige Weichenstellung für Märklin an – dann eröffnen in der Stuttgarter Straße das Museum und ein Verkaufsshop. Die Stadt dürfte dadurch noch mehr zur Pilgerstätte für Modelleisenbahnfans werden.

Doch Göppingen hat mehr zu bieten als Industrie, wie der ehrenamtliche Stadtführer Rudi Bauer im zweiten Teil der 60-plus-Tour verdeutlichte. Zum Beispiel ein großes Wasseraufkommen. So liegen nach Bauers Aussage viele Mineralwasserquellen im Landkreis. Wen wundert es da, dass in Göppingens „Neuer Mitte“ direkt neben dem historischen Rathaus aus einem Brunnen frisches Trinkwasser sprudelt.

Schon die Staufer wussten um die gesund machende Wirkung des Wassers und haben in Göppingen ihre Spuren hinterlassen. Die Stadt hat nicht ohne Grund die drei Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen stilisiert in ihrem Stadtlogo abgebildet.

Einem anderen Adligen, Herzog Karl Eugen von Württemberg, hat Göppingen sehr viel zu verdanken. Denn die Feuersbrunst vom 25. August 1782 richtete verheerende Schäden an in der Stadt, kaum ein Haus blieb von den Flammen verschont. „Der herbeigeeilte Herzog ordnete den sofortigen Wiederaufbau an“, erläutert Rudi Bauer. Das sei nach dem klassizistischen Vorbild der damaligen Zeit im schachbrettartigen Muster erfolgt. Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, erkennt dies bis heute.

Viel zu schnell geht die Führung vorbei, Rudi Bauer hätte noch so einiges zu erzählen. „Kommen Sie doch wieder“, lädt er die Teilnehmer ein. Gerne!

 

18. Juli 2018. Text: © Reimund Abel für das Stuttgarter Wochenblatt

Die 60plus-Touren: Eine gemeinsame Aktion des Stuttgarter Wochenblatts und des VVS

Eine Stadtführung und ein Museumsbesuch in Waldenbuch, eine Stocherkahnfahrtfahrt, eine Tour durch die Strümpfelbacher Weinberge mit Skulpturenpfad vieles mehr: Bei der Verlosungsaktion "60plus Touren" des Stuttgarter Wochenblatts und des VVS gibt es für Senioren mit den unterschiedlichsten Interessen attraktive Ausflüge in der Landeshauptstadt und der Region. Die sechs geführten Tagestouren werden von einem VVS-Mitarbeiter begleitet, außerdem spendiert der VVS das TagesTicket für Bus und Bahn sowie die Einkehr.

Die Touren im Überblick:

Tour 1: Waldenbuch: Stadtführung und Besuch im Museum Ritter, 27. Juni 2018

Tour 2: Esslingen am Neckar: Historische Stadtführung und Führung durch die Sektkellerei Kessler, 4. Juli 2018

Tour 3: Göppingen: Besichtigung des Märklinwerks und historische Stadtführung, 11. Juli 2018

Tour 4: Vaihingen an der Enz: Stadtführung und Stocherkahnfahrt, 18. Juli 2018

Tour 5: Skulpturenpfad Strümpfelbach: Begehung Skulpturenpfad und Besichtigung des Gartens und Atelier des Künstlers Prof. Karl Ulrich Nuss mit anschließender Weinprobe im Weingut Kuhnle, 25. Juli 2018

Tour 6: Rotenberg-Uhlbach: Besuch der Grabkapelle und Führung durch das Weinbaumuseum Uhlbach, 1. August 2018