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10. Stuttgarter ÖPNV-Forum mit rund 100 Teilnehmern

Im Fokus: Entwicklungen in der Tariflandschaft, bei Vertriebssystemen und im Einsatz von E-Bussen

Beim diesjährigen Stuttgarter ÖPNV-Forum sind am 5. Juni 2019 rund 100 Verkehrsexperten aus Baden-Württemberg der Einladung des VVS gefolgt. Die ganztägige Veranstaltung im Haus der Architekten wurde von den beiden VVS-Geschäftsführern Horst Stammler und Thomas Hachenberger moderiert. Im Zentrum des Branchentreffs standen Themen wie die wettbewerblichen Vergabeverfahren im Busverkehr, erste Ergebnisse der VVS-Tarifreform und des BW-Tarifs sowie der Einsatz von Elektro-Bussen und neue Vertriebssysteme.

Mehr Kapazitäten im ÖPNV und innovative Angebote

Thomas S. Bopp, Vorsitzender des Verbandes Region Stuttgart, machte in seinem Statement deutlich, dass sich der ÖPNV angesichts der neuen digitalen Möglichkeiten in einem „Transformationsprozess“ befinde. Man müsse die enormen Chancen, die sich dem ÖPNV durch neue Technologien bieten, nutzen und beispielsweise die Wegeketten von und zur Bahn intelligent vernetzen. Vor dem Hintergrund des digitalen Wandels berichtete Bopp auch über die S-Bahn-Offensive, die der Verband Region Stuttgart gemeinsam mit der S-Bahn Stuttgart angeschoben hat. Dank des neuen Zugsicherungssystems ECTS fahren die S-Bahnen im Schienenknoten Stuttgart ab dem Jahr 2025 digital. Für mehr Kapazitäten sollen außerdem 58 neue S-Bahnen sorgen, die ab Ende 2021 sukzessive eingesetzt werden.

Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und gleichzeitiger Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die Anforderungen für den ÖPNV so hoch wie nie seien. „Um weitere Fahrverbote zu vermeiden, müssen wir das ÖPNV-Angebot ertüchtigen“, stellte Pischon klar. Die Klimaziele seien nur durch einen massiven ÖPNV-Ausbau und die stärkere Regulierung des Pkw-Verkehrs erreichbar. Er lobte, dass die finanzielle Förderung des ÖPNV auf Landes- und Bundesebene in den letzten Jahren wieder eine positive Entwicklung genommen habe, wies aber auch darauf hin, dass diese weiter aufgestockt werden müsse.

Zu den Referenten gehörte auch Marc Vanhoutte, Bus Fleet Director von Transdev, Amsterdam. Transdev ist mit 43 aktiven Tochterunternehmen das weltweit größte Mobilitätsunternehmen und mit 600 Elektrofahrzeugen europäischer Marktführer für emissionsfreie Mobilität. Vanhoutte berichtete über den Einsatz der Elektrobusse bei Transdev und den aktuellen E-Bus-Technologien und Ladestrategien. Er warf auch Fragen zu Problematiken auf, die den E-Bus-Einsatz einschränken – beispielswiese, ob mit E-Bussen die gleichen Fahrpläne wie mit Dieselbussen gefahren werden können.

VVS-Tarifreform wirkt

VVS-Geschäftsführer Horst Stammler referierte über die Erfahrungen mit der VVS-Tarifreform, die am 1. April 2019 umgesetzt wurde. „Die Ergebnisse nach einem Monat zeigen, dass der neue Tarif erste Wirkungen zeigt. Gegenüber dem Vorjahresmonat haben wir im April 2019 4,1 Prozent mehr Fahrten verzeichnet“, so Stammler. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 und im ersten Quartal 2019 lag die Fahrgaststeigerung bei knapp über 1 Prozent. Besonders die Zeittickets haben mit einem Zuwachs von 6,8 Prozent deutlich zugelegt. Stammler mahnte jedoch zur Geduld – „Für eine wirklich sichere Aussage müssen wir die Ergebnisse von noch mindestens drei Monaten abwarten.“

Deutlich mehr Fahrten dank Vergabeverfahren im Busbereich

Eine Zwischenbilanz aus der ersten Vergaberunde bei den Busverkehrsunternehmen im VVS zog Dr. Peter Zaar, Verkehrsdezernent im Landratsamt Rems-Murr-Kreis. „Gegenüber dem Start der Vergabeverfahren im Jahr 2015 fahren die Busunternehmen im VVS ab 2020 nahezu 50 Millionen Fahrplankilometer. Das ist ein erfreuliches Plus von 14 Prozent“, so Zaar. Bemerkenswert sei, dass entgegen anfänglicher Befürchtungen keine neuen Wettbewerber von außerhalb des VVS-Gebiets zum Zuge gekommen seien. „Das liegt insbesondere an den hohen Standards, die die Landkreise in den Ausschreibungsunterlagen festgesetzt haben“, erklärte Zaar.

BW-Tarif erfolgreich gestartet

Über den BW-Tarif, der im Dezember 2018 eingeführt wurde, sprach Gerd Hickmann, Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr im Verkehrsministerium Baden-Württemberg. Er bescheinigte dem verbundübergreifenden Tarifangebot einen „guten und reibungslosen Start und positive Rückmeldungen aus dem Kreis der Fahrgäste.“ Überraschend hoch seien die E-Ticket-Verkäufe, die mit einem Anteil von 30 Prozent im ersten halben Jahr deutlich höher ausfielen, als erwartet.

Online-Vertrieb soll ausgebaut werden

Dr. Markus Raupp, Unternehmensbereichsleiter Marketing bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG erörterte in seinem Vortrag auf die Vertriebsstrategie des städtischen Nahverkehrsunternehmen. „Der Online-Vertrieb nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Heute liegt der Anteil des Online-Verkaufs bei rund 39 Prozent, bis 2025 wollen wir ihn auf 50 Prozent steigern“, so Raupp. Trotzdem investiere man in eine neue Automatengeneration mit Funktionen wie Touch Screen oder kontaktlosem Bezahlen. Die neuen Automaten sollen ab nächstes Jahr zum Einsatz kommen.

Zu den weiteren Fachvorträgen, die auf der Tagesordnung standen, gehörten die Automatischen Fahrgastzählsysteme im Verkehrsverbund Mittelsachsen sowie die Tarifstrukturreform im Münchener Verkehrsverbund. Auf der Agenda stand auch das Thema „Quo vadis ÖPNV-Tarife?“, beim dem mit Hilfe zahlreicher Fallbeispiele und Studien die Frage beleuchtet wurde, welche Tarifangeboten helfen könnten, noch mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen.

Das Stuttgarter ÖPNV-Forum hat eine lange Tradition. Seit zehn Jahren findet das Forum unter Regie des VVS im Haus der Architekten statt. Die meist schnell ausgebuchte Veranstaltung genießt bei Verkehrsexperten einen guten Ruf, denn jedes Jahr tragen hochrangige Referenten zu einem erstklassigen Austausch über aktuelle Themen bei.

(ps)

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