Tarifreform sorgt für weiter steigende Fahrgastzahlen

Die öffentlichen Verkehrsmittel in der Region Stuttgart werden häufiger genutzt denn je. Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zieht zum Ende des dritten Quartals eine positive Zwischenbilanz. In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 wurden über 279 Millionen bezahlte Fahrten mit den Bahnen und Bussen im VVS durchgeführt, das sind rund sieben Millionen Fahrten mehr als im Vorjahreszeitraum. Dies entspricht über die gesamten neun Monate einer Steigerung von 2,6 Prozent.

Die Tarifreform zum 1. April 2019 hat der Fahrgastentwicklung im Berufs- und Gelegenheitsverkehr einen kräftigen Schub gegeben. Von April bis September ist die gesamte Fahrtenzahl um 3,3 Prozent gestiegen. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass durch sinkende Schüler- und Studierendenzahlen der Verkauf von Scool-Abos und StudiTickets in diesem Zeitraum rückläufig war. Wenn man nur die von der Tarifreform betroffenen Tickets betrachtet, ergibt sich seit April eine Steigerung von 5,2 Prozent. Vor allem die Zahl der Abonnenten hat durch die Reform stark zugelegt.

Seit einem halben Jahr gibt es statt über 50 Tarifzonen nur noch fünf Ringzonen. Viele Verbindungen – vor allem in der Landeshauptstadt und für Pendler aus der Region in die Kernzone hinein – sind seither deutlich günstiger. Die öffentliche Hand bezuschusst die Tarifreform mit rund 42 Millionen Euro pro Jahr.

Seit der Tarifreform fällt die Steigerung der Fahrgastzahlen deutlich höher als im langjährigen Durchschnitt aus. „Wir haben täglich 50.000 Fahrten mehr in den Bahnen und Bussen des VVS. Das zeigt, dass das Angebot angenommen wird“, so VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Ein Dank geht dabei an die Landeshauptstadt Stuttgart, die Verbundlandkreise und das Land, die den finanziellen Kraftakt der Tarifreform gemeinsam und nachhaltig stemmen. „Wir gehen davon aus, dass die Diskussionen um einen besseren Klimaschutz verbunden mit günstigen Fahrpreisen im VVS in den nächsten Monaten noch mehr Fahrgäste überzeugen werden“, sagt VVS-Geschäftsführerkollege Thomas Hachenberger.

 

FirmenTicket legt um 11,5 Prozent zu
Im Berufsverkehr sind die Fahrgastzahlen im Gesamtzeitraum von Januar bis September um 5,5 Prozent gestiegen. Dazu hat insbesondere das FirmenTicket beigetragen. Inzwischen fahren über 90.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit dem FirmenTicket zur Arbeit, das sind 11,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

 

Gelegenheitsverkehr leicht positiv
Der Gelegenheitsverkehr – dazu gehören Einzel-, 4er- und TagesTickets – war längere Zeit rückläufig. Seit der Tarifreform hat sich das geändert. In den ersten drei Quartalen lag das Plus bei 1,0 Prozent. Besonders nachgefragt ist das TagesTicket, das im Zuge der Tarifreform deutlich günstiger wurde. Für fünf Euro können die Fahrgäste nun einen ganzen Tag lang in Stuttgart die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Dies ist der günstigste Preis für ein TagesTicket unter allen deutschen Großstädten.

 

SeniorenTicket im Aufwärtstrend
Auch das SeniorenTicket bleibt im Aufwind und hat in den ersten neun Monaten zugelegt. Der VVS verzeichnet ein Plus von 3,1 Prozent. Knapp 44.000 ältere Fahrgäste sind inzwischen regelmäßig mit einem SeniorenTicket unterwegs. Der Trend geht dabei klar in Richtung JahresTicket: 88 Prozent nutzen inzwischen das verbundweit gültige JahresTicket.

 

Ausbildungsverkehr rückläufig
Die Schülerzahlen sind schon seit einigen Jahren rückläufig, zum Wintersemester 2018/19 sind auch erstmals seit längerem die Studierendenzahlen an den Hochschulen in der Region Stuttgart gesunken. Aufgrund dessen ist der Ausbildungsverkehr insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 1,0 Prozent zurückgegangen, wobei das Scool-Abo um 1,3 Prozent und das StudiTicket um 3,1 Prozent rückläufig war. Positiv entwickelt hat sich das seit Herbst 2016 angebotene Ausbildungs-Abo mit einem Plus von 4,3 Prozent. Auszubildende können seit drei Jahren mit dem Ausbildungs-Abo für 59,90 Euro monatlich im ganzen Netz Bus und Bahn fahren. Dieses Abo können nicht nur „klassische“ Azubis, sondern auch Praktikanten, Volontäre oder junge Leute im Bundesfreiwilligendienst erwerben.

Insgesamt hat der VVS in den ersten neun Monaten 2019 rund 375 Millionen Euro eingenommen und damit rund 19 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang der Einnahmen um 4,9 Prozent ist auf die Preissenkungen durch die Tarifreform zurückzuführen. Für die einkalkulierten Mindereinnahmen leisteten die Finanzierungsträger der Tarifreform den Verkehrsunternehmen einen Ausgleich von rund 21 Millionen Euro.

Stand: 18. November 2019