Jahres-Bilanz des VVS für 2021

2021 wurden knapp 261 Millionen Fahrten mit den Bahnen und Bussen im VVS zurückgelegt. Das sind 20,8 Millionen mehr als im ersten Jahr der Pandemie 2020 (+8,7 Prozent), aber immer noch 134 Millionen weniger als im bisherigen Rekordjahr 2019 (-33,9 Prozent). Vor allem der lange Lockdown zu Beginn des Jahres hat für starke Nachfragerückgänge gesorgt. Im Sommer und Herbst fuhren dann wieder mehr Menschen mit Bus und Bahn, bevor im Winter die Omikronwelle für steigende Infektionszahlen, weitergehende Einschränkungen im öffentlichen Leben und wieder rückläufige Fahrgastzahlen sorgte. Das berichten die beiden VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger und Horst Stammler bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2021. Sie dankten auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verkehrsunternehmen für ihren hohen, nicht immer einfachen, Einsatz in zwei Jahren der Corona-Pandemie.
 

Nach dem mehrmonatigen Lockdown mit geschlossenen Schulen, Restaurants und Geschäften konnte seit Mai ein stetiger Aufwärtstrend bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel verzeichnet werden. „Im Sommer und Herbst hatten wir bereits wieder 70 bis 75 Prozent des ursprünglichen Aufkommens vor Corona in den Bussen und Bahnen gezählt“, berichtet VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Die Innenstädte waren belebter, die Menschen sind wieder zum Einkaufen gefahren, sind Essen gegangen oder haben Ausflüge gemacht. Allerdings wurden Großveranstaltungen wie das Weindorf, das Volksfest auf dem Wasen, die Weihnachtsmärkte und Publikumsmessen wie zuletzt die CMT abgesagt. Bei Konzerten und Bundesligaspielen wurden die Zuschauerzahlen begrenzt. Bei besucherstarken Veranstaltungen wird auch der öffentliche Nahverkehr überdurchschnittlich genutzt. Gegen Ende des Jahres stiegen die Infektionszahlen durch die Omikronvariante wieder deutlich an. „Dies führte dazu, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstärkt im Homeoffice arbeiten und Studierende für Onlinevorlesungen zu Hause bleiben. Daher sind die Verkaufszahlen und die Nachfrage im Dezember leider wieder gesunken“, informiert Hachenberger.
 

Abonnements: Talsohle erreicht?
 

Vor Corona hat der VVS große Anstrengungen unternommen, die Zahl der Abonnenten zu steigern – durchaus mit Erfolg. Im März 2020 waren rund 230.000 Stammkunden im Besitz eines VVS-Abo (ohne Schüler). Mit Beginn der Pandemie gingen die Zahlen kontinuierlich zurück – bis August 2021. Seither steigen sie wieder. „Wir hoffen, dass wir die Talsohle erreicht haben“, sagt Horst Stammler, Geschäftsführer beim VVS. Zum Jahresende konnten rund 194.000 Abonnenten gezählt werden, das sind etwa 15 Prozent weniger als zu Hochzeiten. „Man kann es auch so sehen: 85 Prozent der Stammkunden sind uns treu geblieben. Unsere Bemühungen, die Stammkunden zu halten, verlorene Fahrgäste zum Wiedereinstieg ins Abo zu bewegen und auch wieder neue Kunden zu gewinnen, haben sich bezahlt gemacht“, so Stammler weiter.
 

Er verweist dabei auf die „Marktoffensive“, die der VVS 2021 gestartet hat. Dazu gehörte zum Beispiel der Treuebonus für Abonnenten zu Beginn des Jahres, der Wilkommensbonus für Neueinsteiger und der Rabatt beim StudiTicket zu Beginn des Wintersemesters. „Besonders gut angekommen ist die Wiederholung der Aktion bwAboSommer“, sagt Stammler. In den Sommerferien konnten VVS-Abonnenten und JahresTicket-Kunden in ganz Baden-Württemberg fahren, anschließend sogar im Rahmen einer bundesweiten Aktion der Verbünde 14 Tage lang mit dem Nahverkehr in ganz Deutschland.
 

Gelegenheitsverkehr legte im zweiten Halbjahr zu
 

Nach den Lockerungen im Frühsommer hat auch der Gelegenheitsverkehr wieder „Fahrt“ aufgenommen. Während die Zahl der gelegentlichen Fahrten im ersten Halbjahr noch um 2 Millionen hinter dem Ergebnis von 2020 her hinkte, waren es Ende 2021 sogar knapp 4 Millionen Fahrten (+11,1 Prozent) mehr als im Vorjahr. Verglichen mit 2019 ist es aber ein Rückgang um knapp 40 Prozent. Unter den verschiedenen Marktsegmenten ist es durch die vielen Einschränkungen im öffentlichen Leben das größte Minus im Vergleich zum Rekordjahr 2019.
 

Rückgang im Berufsverkehr
 

Im Berufsverkehr betrug das Minus an Fahrgästen knapp 3,5 Millionen (-3,4 Prozent) gegenüber 2020. Nimmt man 2019 als Basis, beträgt der Rückgang rund 47 Millionen Fahrten oder knapp 33 Prozent.

Beim Firmen-Abo betrug der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 13 Prozent. Dabei fällt auf, dass bei Abos, die vom Arbeitgeber bezuschusst werden, weniger häufig gekündigt wurde. Auch ist im städtischen Raum der Rückgang geringer als bei Pendlern, die längere Wege zurücklegen müssen.

Um Stammkunden, vor allem in Dienstleistungsunternehmen, aufzufangen, für die sich ein klassisches Abo nicht mehr rechnet, weil sie überwiegend zu Hause arbeiten, hat der VVS im April 2021 als schnell umzusetzende Maßnahme ein 10er-TagesTicket auf den Markt gebracht, das sehr gut ankommt. In den ersten neun Monaten wurden mehr als 21.000 Stück verkauft. Mit diesem Ticket können die Kunden an zehn selbst gewählten Tagen stark vergünstigt den Nahverkehr nutzen.

 

Aufwärtstendenz im Ausbildungsverkehr
 

Nach der Öffnung der Schulen im Mai ist die Zahl der Fahrten im Ausbildungsverkehr wieder gestiegen. Zu Beginn des Wintersemesters wurden auch vermehrt Vorlesungen an den Hochschulen in Präsenz durchgeführt. Insgesamt sind die Fahrgastzahlen im Ausbildungsverkehr gegenüber dem Vorjahr um 21,7 Millionen (+28,3 Prozent) gestiegen, im Vergleich zu 2019 war das trotzdem noch fast ein Drittel weniger Fahrten (-29,9 Prozent).

Wegen der Schulschließungen in der Corona-Pandemie hat das Land Baden-Württemberg im April nochmals die Kosten des Scool-Abos für einen Monat übernommen.
 

Rettungsschirm sichert Nahverkehrsangebot
 

2021 rechnet der VVS mit Corona-bedingten Einnahmeausfällen von rund 140 Millionen Euro. „Diese Einnahmeausfälle sollen wie bereits im Vorjahr zu 100 Prozent von Bund und Land ausgeglichen werden“, informiert Thomas Hachenberger. „Für diesen zweiten Rettungsschirm möchten wir uns bei den Verantwortlichen in der Bundes- und Landespolitik ausdrücklich bedanken. Ohne Rettungsschirm hätte das Verkehrsangebot nicht aufrechterhalten werden können“, so Hachenberger weiter. Der VVS bündelt die Ansprüche aller Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen in der Region Stuttgart und ist gegenüber dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg die Abrechnungs- und Auszahlungsstelle. Da es als gesichert gilt, dass auch 2022 das alte Nachfrageniveau nicht wieder erreicht wird, hat die neue Ampelregierung im Koalitionsvertrag auf Bundesebene zugesagt, den Rettungsschirm für den ÖPNV im laufenden Jahr fortzusetzen. Die konkreten Bedingungen müssen allerdings noch festgelegt werden.
 

Ausbau des Nahverkehrs geht weiter
 

Trotz der Corona-Pandemie wird der Ausbau des Leistungsangebotes und der Infrastruktur konsequent fortgesetzt. „Das Fahrplanangebot war im VVS noch nie so dicht wie im Augenblick“, sagt Thomas Hachenberger, der den Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen für ihr hohes Engagement für den ÖPNV dankte. Zum Fahrplanwechsel wurde nicht nur die Stadtbahnlinie U6 zum Flughafen und zur Messe verlängert. Auf der S2 wurde auch der 15-Minuten-Takt bis nach Filderstadt ausgedehnt. In diesem Zusammenhang wurde auch das Zubringerbusnetz im Filderraum verdichtet. Samstagnachmittags fährt die S-Bahn jetzt jede Viertelstunde wie an Werktagen. Ende dieses Jahres folgt der Samstagvormittag im 15-Minuten-Takt. Im September wird eine neue Express-S-Bahnlinie eingerichtet, die S 62, die von Weil der Stadt bis Zuffenhausen mit wenigen Halten in Leonberg, Ditzingen, Weilimdorf und Korntal fährt.
 

Tarifsystem wird attraktiver
 

Auch das Tarifsystem wird attraktiver gestaltet. Nach der großen Tarifreform im Jahr 2019 werden weitere Schritte umgesetzt. Das StadtTicket wird inzwischen in mehr als 50 Städten und Gemeinden der Region angeboten. Im Lauf des Jahres 2022 kommen weitere Kommunen hinzu. Das Ticket ist äußerst erfolgreich, in größeren Städten wie Ludwigsburg und Esslingen, wurden 2021 schon wieder die Verkaufszahlen von 2019 erreicht.
 

Der VVS hat ein Pilotprojekt für ein verbundüberschreitendes Check-in-Check-out-System (CiCo) abgeschlossen und mit den anderen Verkehrsverbünden im Land die Konditionen für ein Lizenzierungsverfahren ausgearbeitet. Interessierte Dienstleister können sich nun für ein landesweites CiCo-System lizenzieren lassen. Bis Ende des Jahres soll es Fahrgästen möglich sein, mit einer einzigen App alle Verkehrsverbünde und den verbundübergreifenden Schienennahverkehr in Baden-Württemberg nutzen. Kenntnisse über Tarifangebote, Zonen und Verbundgrenzen brauchen sie dazu nicht, es genügt ein Wisch auf dem Smartphone.
 

„Das Topthema wird in den nächsten Monaten die Einführung des landesweiten Jugendtickets sein“, informierte Horst Stammler. Das Land will die Einführung eines preisgünstigen Jugendtickets zum Preis von 365 Euro mit 70 Prozent der entstehenden Kosten fördern, die übrigen 30 Prozent sollen die kommunalen Aufgabenträger finanzieren. „Aktuell sind wir fast täglich in Verhandlungen mit dem Verkehrsministerium, den kommunalen Landesverbänden und mit den Verkehrsunternehmen über die konkrete Ausgestaltung des Tickets und die finanziellen Regelungen“, so Stammler. Wenn alle Rahmenbedingungen und Finanzierungsregelungen feststehen, werden sich im Verbundgebiet die Kreistage der Verbundlandkreise und der Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart mit der Einführung des Tickets beschäftigen.

Stand: 11. Februar 2022